ZKFO UpToDate - Unser Artikel in der Fachzeitschrift IOK

03. Mai 2024

Die Zeitschrift

Das Magazin: IOK – Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie ist die deutschsprachige Fachzeitschrift für den Kieferorthopäden. Die IOK erscheint viermal pro Jahr und veröffentlicht praxisnahe Orginalarbeiten, Übersichtsbeiträge und Fallstudien aus dem Gebiet der Kieferorthopädie. Nachdem wir einige gute Artikel und Fallberichte darin gelesen hatten, entschieden wir uns dafür auch mal einen unserer besonderen Fälle für das Magazin aufzubereiten und zu publizieren. 

Der Artikel

Im Artikel wird von einer Behandlung berichtet bei einer Patientin mit asymmetrischer Nichtanlage von einem bleibenden Unterkieferprämolar (so werden die kleinen Backenzähne vor den großen Backenzähnen genannt) und einer übermäßigen Wachstumstendenz des Unterkiefers (Progenie). Da der Milchzahn an der Stelle der Nichtanlage eine schlechte Prognose hatten, wurde sich zusammen mit der Patientin für eine Extraktion eines Milchzahnes und eines bleibenden Zahnes im Unterkiefer mit kieferorthopädischem Lückenschluss entschieden.

Dadurch wird die lebenslange prothetische Versorgung der Lücke und aufwändige kieferchirurgische Maßnahmen vermieden.

Für die kieferorthopädische Behandlung ist eine individuelle Behandlungsplanung notwendig, wofür viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl benötigt wird. So ist diese Art der Behandlung durch ihre besondere Biomechanik erwähnenswert.

Eine Lücke nach der Extraktion von Seitenzähnen kann prinzipiell auf drei Arten geschlossen werden: Entweder dadurch, dass die Frontzähne nach hinten geführt werden oder durch ein nach vorne bewegen der hinteren Zähne.  

Da die Patientin aber schon vor der Behandlung ein prominentes Kinn hatte, hätte ein nach hinten ziehen der Unterkieferfrontzähne das Kinn noch zusätzlich betont. Deshalb sollten die Unterkieferbackenzähne nach vorne geholt werden und gleichzeitig das Unterkieferwachstum gehemmt werden. 

Dies ist im Unterkiefer ziemlich schwierig (Die Unterkieferfrontzähne haben sehr kleine und zarte Wurzeln im Vergleich zu den mächtigen großen Wurzeln der Unterkieferseitenzähne und unsere Patientin hatte eine ausgeprägte Unterkieferwachstumstendenz). Deshalb wurde für die Behandlung ein im knochenverankertes Behandlungsgerät am Unterkiefer eingesetzt: Die Mentoplate. 

Mit dieser zusätzlichen Verankerung konnten dann die Unterkieferseitenzähne nach vorne geholt werden, ohne dass die Stellung der Unterkieferfrontzähne ungünstig verändert wurde und zusätzlich konnte das Kieferwachstum, für eine harmonische Frontzahnstellung beeinflusst werden. 

Das Fazit

In diesem Fall konnte mit der Extraktion eines bleibenden Zahnes und dem kieferorthopädischen Lückenschluss für die Patientin zum einen eine lebenslange prothetische Versorgung wie eine Brücke oder ein Implantat mit Krone vermieden und eine chirurgische Kieferumstellungsoperation damit verhindert werden.  
Durch diese innovativen Behandlungsmethoden kann das kieferorthopädische Behandlungsspektrum erweitert werden und dementsprechend erübrigen sich weitere Operationen, Knochenaufbauten, Implantate und prothetische Dauerversorgungen.